Eine Geschichte

Die Milchflasche

Diese wahre Geschichte handelt von Stephan Glenn, einem herausragenden Wissenschaftler aus den Vereinigten Staaten, der auf seinem Forschungsgebiet zu mehreren bahnbrechenden Erkenntnissen gekommen war. Auf die Frage eines Journalisten, ob er sich erklären könne, warum er über so viel mehr kreative Fähigkeiten verfüge als die meisten anderen Menschen, erzählte er folgendes:

Schon als kleines Kind sei er mit einem ausgeprägten Forschergeist ausgestattet gewesen und in diesem Drang von seinen Eltern nie gebremst worden. So erinnere er sich zum Beispiel noch sehr gut an eine Begebenheit, als er gerade einmal zwei Jahre alt war: Auf einer Erkundungstour durch die Küche hatte er es mal wieder auf den Kühlschrank abgesehen. Nachdem er ihn unter einiger Mühe endlich geöffnet hatte, entdeckte er eine Flasche Milch. Das war natürlich hochinteressant und sehr verlockend. Bei seinem Versuch, die Flasche herauszuholen und zu öffnen, rutschte sie ihm jedoch aus der Hand und der gesamte Inhalt ergoss sich auf den Küchenboden – „ein beachtlicher Milchsee“, wie er sich schmunzelnd erinnerte.
Als seine Mutter in die Küche kam, schrie sie ihn weder an, noch hielt sie ihm eine Strafpredigt. Sie stutzte kurz und sagte dann nur: „Na, da hast du ja eine herrliche Schweinerei angerichtet! Eine so riesige Milchpfütze habe ich noch selten gesehen. Willst du noch ein wenig darin rumpanschen, bevor wir alles wieder wegwischen?“
Das hätte er dann auch noch ausgiebig getan. Schließlich sagte seine Mutter: „So, nachdem du nun eine solch wunderbare Schweinerei produziert hast, sollten wir nun langsam auch alles wieder aufwischen. Möchtest du mir helfen? Du kannst einen Schwamm, ein Tuch oder einen Schrubber nehmen. Was möchtest du am liebsten?“ Er entschied sich für den Schwamm, und gemeinsam wischten sie die verschüttete Milch auf.
Dann nahm sie eine leere Milchflasche, füllte sie mit Wasser und stellte sie nach draußen in den Garten zu seinen anderen Spielsachen. Dort konnte er dann seine Experimente mit der Milchflasche fortsetzen, ohne dass es zu weiteren „Unfällen“ kam. Vielmehr lernte er, dass er die Flasche gut und sicher tragen konnte, wenn er sie oben am Hals unmittelbar unter dem Rand anfasste. Es war eine wunderbare Erfahrung.
Der bekannte Wissenschaftler fügte hinzu, durch Begebenheiten wie diese habe er begriffen, dass er keine Angst davor zu haben brauchte, Fehler zu machen. Stattdessen machte er die Erfahrung, dass „Fehler“ oder Missgeschicke die Gelegenheit boten, etwas Neues zu lernen – und das sei schließlich der Kern aller wissenschaftlicher Experimente. Selbst wenn das Experiment nicht funktioniert, könne man daraus wertvolle Erkenntnisse schöpfen.
Dann fügte er noch hinzu, dass er nicht glaube, dass sein Forschergeist größer gewesen sei als der von anderen Kindern. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Eltern hätten seine Eltern diesen Drang nicht als Bedrohung, sondern als normal angesehen und ihn in seinen ständig neuen Entdeckungsreisen nicht gebremst, sondern unterstützt. Ein Geschenk, das er allen Kindern wünsche.

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